Die whiteBOX® auf dem Gelände der Kultfabrik ist eine in München viel beachtete neue Kunsthalle.
Anfang des Jahres 2006 wurde der Kunstverein whiteBOX® e.V. gegründet. Der Verein macht es sich zur Aufgabe Bildende Kunst (Ausstellungen), Darstellende Kunst (Theater, Performance, Installation) und Tonkunst (Konzerte) zu fördern.
Seit Mai 2004 werden hier unter Mithilfe von Ugo Dossi Ausstellungen mit dem Label „all about...“´ gezeigt. (all about...berlin I-III, all about...düsseldorf, all about...korea, u.s.w.) Dieser Ausstellungstyp beschäftigt sich mit Querschnitten und neuen Sichtweisen in Städten und Regionen.
Ebenso Retrospektiven und Hommagen einzelner Künstler (Friedensreich Hundertwasser, Peter Dittmar).
Seit November 2005 wird hier auch auf dem Theatersektor experimentiert. Speziell Theaterformen, die neue Formen der bildenden Kunst integrieren können werden gesucht. Klangexperiment und Konzert kommen ab 2006 dazu.
Im Rahmen eines Jour fix treffen sich seit Mai 2006 Künstler, Medienleute und Interessierte in einem „Labor“ in der whiteBOX®, um Ideen und Konzepte zu entwickeln.
Architekten fotografieren
25.04.-31.05.09
Viele Texte sind in den letzten Jahrzehnten zu Medienübergängen geschrieben, viele Aktivitäten in der Kunst mit dem voreiligen Etikett des Cross-Over versehen worden: an der Schnittfläche von Architektur und Fotografie treffen zwei Künste in einer gemeinsamen Darstellungsleistung aufeinander und verschmelzen in Bildern. Das mögen einleuchtend schöne Bilder sein, aber auch solche, die sich erst im zweiten oder dritten Anblick öffnen und ihre Schätze nur widerwillig preisgeben. Bilder sind es allemal; und da sie von Architektinnen und Architekten stammen, zeigen sie immer Bildräume, gleich wie abstrakt oder wie flächig sie daherkommen. Aus der Architektur haben diese Bilder die Raumgebundenheit, die Basis im Akt des Raumbild-Werdens, und aus der Fotografie nehmen sie sich ihre Zeitgebundenheit, die Versicherung der Vergangenheit im Akt des Bildraum-Erfassens â denn nach der Aufnahme existiert dieser fotografierte Bildraum nicht mehr, genauso ohnehin nicht, aber auch leicht modifiziert nicht mehr. Damit konterkariert die Fotografie den antiken Anspruch der Architektur auf Überzeitlichkeit, macht aber im Bild auch alles Gebaute human: Was sichtbar ist, kann kein Geheimnis haben. So hat sich der gestaltende Begriff der Architektur unversehens vom Schichten und Bauen, das eben auch nur Geschichten oder Geschichte erzeugt, zur Ausrichtung von Wahrnehmung verschoben, in eine Architektur des Sehens. Die Gebäude der Wahrnehmung müssen beim Betrachten von Bildern konstruiert werden, aber da ist es allemal hilfreich, wenn die Vorgaben auf grundlegender Erkenntnis des Räumlichen beruhen. Wenn also Raumbilder zu Bildräumen werden, sind daran Bildbaumeister beteiligt, die neben allen Fertigkeiten ihrer konstruktiven Tätigkeit sich Fähigkeiten der Imagination erhalten haben - und diese sind dann unabhängig vom tatsächlich zu schaffenden Ort: Er kann als Raum im Bild bleiben. Damit ist die Architektur des Sehens eine weitere Schule der Wahrnehmung, wie sie vielen Fotografinnen und Fotografen als Leitmotiv unterstellt worden ist. Die Architektur des Sehens ist aber auch eine emotional bewegende Konstruktion: Was bei Gebautem zur Wanderung zwischen Säulen und in Hallen anregt, ist bereits bei Aristoteles laut âºNikomachischer Ethikâ¹ eine Frage der Lust und der Liebe. Die Lust, in Bildräumen so zu wandeln wie in Raumbildern, das ist dann allerdings die Aufgabe derjenigen, die vor den Bildern stehen und das Staunen nicht verlernt haben. Mehr als zum Schauen und Freuen zu reizen, können bildende Künstler, auch Architekten und Fotografen, nicht tun. Die Architektur des Sehens braucht beide Seiten, die Macher und die Betrachter - Sie, liebe Leserinnen und Leser!
